Dezember 4, 2020

Leserzuschrift zu Spektrum.de, Kommentar von Stefan Rahmstorf: Das Klima-Manifest der WerteUnion

Als promovierter und habilitierter Physiker war ich viele Jahre lang treuer Abonnent von Spektrum der Wissenschaft. Es diente mir nicht nur dazu, mich in den Themen außerhalb meines eigenen Fachgebiets auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft zu halten, sondern auch als Anregung für eigene Vorlesungen an der Heidelberger Universität.

Was ich allerdings mit diesem Artikel von Ihnen und dem Autor Stefan Rahmstorf zugemutet bekomme, ist einer Zeitschrift mit wissenschaftlichem Anspruch unwürdig, es ist allerniedrigstes Propagandaniveau und voller einseitiger und falscher Informationen.

Redaktionelle Einleitung

Der Artikel fängt mit der redaktionellen Einleitung an, die bereits das Urteil „krasser Unsinn“ über die Werteunion und „Klimaskeptiker“ gefällt hat, ohne auf ein einziges deren Argumente einzugehen. Wenigstens in der Einleitung hätten Sie sich das „Mäntelchen der Seriosität“ durch eine einigermaßen „neutrale“ Formulierung umhängen können. Aber offensichtlich glauben Sie irrtümlich, Sie hätten bereits den Kampf um die Deutungshoheit in der Klimadiskussion so haushoch gewonnen, dass eine sachliche Auseinandersetzung durch Diffamierung eines vermeintlichen „Gegners“ ersetzt werden kann. Sie sollten es eigentlich seit dem Prozess gegen Galilei besser wissen, dass man wissenschaftliche Auseinandersetzungen nicht durch Angriffe gegen Personen oder Personengruppen gewinnen kann, auch wenn man glaubt, sich in der mächtigeren Position zu befinden.
Bevor Sie das Argument ins Feld führen, die Werte-Union hätte im Klima-Manifest ebenfalls unsachlich argumentiert (z.B. durch die Formulierung „Müll-Wissenschaft“), möchte ich Sie daran erinnern, daß die Werte-Union eine politische Partei ist, wo pointierte Ausdrucksweisen und bisweilen unsachliche Übertreibungen in gewissen Grenzen normal sind, Sie aber als wissenschaftliche Zeitschrift einem anderen Niveau verpflichtet sind, wenn man Sie ernst nehmen soll.

Zum Autor

Der Autor, Prof. Rahmstorf, fällt seit längerem und nicht nur in diesem Artikel durch ausgesprochene Einseitigkeit, Überheblichkeit und Arroganz auf. Dabei hätte er allen Grund, mit voreiligen Aussagen zum Klimawandel vorsichtig zu sein. Einer seiner eigenen Versuche, den Klima-Alarmismus durch „dramatischen Meeresspiegelanstieg“ anzuheizen, ist gescheitert, weil er nach Aussagen der Gutachter voreingenommen war und „manuelles Tuning“ (=Manipulation) der Parameter vorgenommen hat, und sein Artikel wurde final abgelehnt. Welche Absicht steht hinter Ihrer Entscheidung, ausgerechnet einen solchen einseitigen notorischen „Scharfmacher“ für einen Artikel zu einem so politisch aufgeladenen Thema zu wählen?

Zum Inhalt

Inhaltlich fällt auf, dass bereits die Referenz zum Gegenstand der Diskussion, dem Klima-Manifest unseriös ist, Rahmstorf verwendet einen Archiv-Link zu einem manipulierten Dokument, das dem unvoreingenommenen Leser zum einen fälschlicherweise suggeriert, dass es das ursprüngliche Dokument gar nicht mehr gibt, und in dem darüber hinaus die Links manipuliert sind (z.B. wird statt zum vorgesehenen (aber offensichtlich von Rahmstorf unerwünschten) Vortrag des Nobelpreisträgers Ivar Giaever zu verweisen, wird in der archivierten Version zur von Rahmstorf propagierten Mainauer Deklaration verwiesen. Das ist wissenschaftlicher Betrug.

Inhaltlich bietet Prof. Rahmstorf ansonsten auf der 1. Seite nur unsachliche Polemik, die versucht, berechtigte Anliegen wie die bereits beginnende Deindustrialisierung ins Lächerliche zu ziehen.

Was die Alarmismus-Prognosen des letzten halben Jahrhunderts betrifft, so sehe ich vor allem, dass alle grandios daneben lagen. Wer mir erklären will, dass wir in der Zukunft Klima-bedingte Probleme haben werden, soll mir erstmal erklären, warum die bisherigen Horrorprognosen so grottenfalsch waren.

Dass Herr Rahmstorf Grönland, die Arktis und Antarktis ins Feld führt, ist zu erwarten und wäre wohl einer ernsthaften Diskussion würdig, aber von abschmelzen zu reden erscheint vor dem Hintergrund der Gesamtentwicklung sowohl des Pol-Eises als auch der Gletscher weltweit voreilig, im Falle der Antarktis, wo sich der Verlauf des Meereises der letzten 5 Jahre symmetrisch um den Mittelwert bewegt, sogar absurd.

Das einzige andeutungsweise sachlich angegangene Thema ist die Frage des Einflusses der Sonnenaktivität auf Wetter und Klima. Die erwähnte Studie von Launig über den Einfluss der Sonnenaktivität greift zu kurz, weil sie die eigentlich wirksamen Zusammenhänge nicht berücksichtigt. Ein Leserbrief ist allerdings nicht das Forum, um dieses Thema einschließlich der erwarteten Abkühlung würdig zu behandeln.

Dass die NASA Temperaturdaten manipuliert hat, ist inzwischen vielfältig belegt, (beispielhaft hier, S. 9) war auch ein Kernthema des „Climategate“ Skandals. (hier Details mit Zitaten sowie Video)

Dass die Naturkatastrophen zunehmen, kann sich auch nicht auf Tatsachen stützen. Nachweislich hat die Zahl der Opfer von Naturkatastrophen im Laufe der letzten 100 Jahre dramatisch abgenommen. Auch die weltweiten wirtschaftlichen, BSP bezogenen Verluste aufgrund von Wetterereignissen haben abgenommen. Hinsichtlich Flutkatastrophen kommt auch der IPCC-Report zum Schluss, dass es keinen erkennbaren [anthropogenen] Zusammenhang zu Flutereignissen gibt.
Die vielzitierten Australischen Buschbrände müssen entmythologisiert werden, 2019/2020 waren bei weitem nicht die schlimmsten Buschbrände der letzten 100 Jahre. (Quelle: Wikipedia) Und die Anzahl der heißen Tage in Australien hat im Laufe der letzten 100 Jahre auch nicht zugenommen, wenn man die unveränderten Temperatur-Rohdaten zugrunde legt.

Dass es eine Erwärmung der Erde während der letzten 30 Jahre gegeben hat und dass möglicherweise ein Teil dieser Erwärmung auf CO2 zurückzuführen ist, bestreitet das Klima-Manifest nicht. Wohl aber dass die künftig zu erwartende Erwärmung katastrophale Ausmaße haben soll – es wird berechtigt darauf hingewiesen, dass die prognostizierten Erwärmungen alle in Modellen stattfinden, die bereits jetzt zu stark überhöhten Prognosen führen.

Der IPCC ist eine politisch motivierte Organisation, die der Wissenschaft politische Vorgaben macht. Dies wird von deren führenden Vertretern auch nicht bestritten. Es gibt eine stattliche Zahl namhafter Wissenschaftler, die als IPCC Experten tätig sind oder waren, die sich deutlich von den politischen Empfehlungen des IPCC distanzieren. So zu tun, als gäbe es diese qualifizierten abweichenden Erkenntnisse nicht, oder diese pauschal abzuwerten und zu diskreditieren, ist unredlich und langfristig für unser Land sehr destruktiv.

Ich möchte Sie dringend dazu auffordern, sich von der ideologischen Engführung zu befreien und wieder zu dem aus früheren Jahren gewohnten wissenschaftlichen Niveau zurückzufinden.